Präsident Richard Sauer hatte die Idee, den Sängerinnen und Sängern der „Eintracht“ einen Besuch des Hessischen Landtags in Wiesbaden anzubieten. Diesen Besuch hatte er auf den 20. Mai 2026 angesetzt und gut entsprechend vorbereitet. Ursprünglich hatten sich vierzehn Teilnehmer angemeldet, fünf davon hatten durch widrige Umstände kurzfristig absagen müssen, so dass die „Abordnung“ letztlich aus neun Personen bestand.
Zwischen Limburg und Wiesbaden besteht seit Jahren die so genannte Schnellbusverbindungslinie X72, die diese Bezeichnung jedoch nur bei großzügiger Betrachtungsweise verdient, denn sie benötigt für die 43 Straßenkilometer eine Fahrzeit von immerhin 53 Minuten. Der Gelenkbus wurde pünktlich zur Abfahrt um 7:53 Uhr bereitgestellt. Der freundliche Fahrer stammte offensichtlich von dem indischen Subkontinent, hatte stets ein leichtes Lächeln auf den Lippen und bestätigte jeden Gesprächskontakt mit einem leichten Kopfnicken, obwohl er offensichtlich nur „Bahnhof“ verstanden hatte. Vier Personen unserer Gruppe stiegen an der Haltestelle „Zeppelinstraße“ zu. Im Verlauf der Fahrt zeigte es sich, dass bei strahlendem Wetter die Heizung im hinteren Teil des Busses sehr gut einheizte. Der Bus füllte sich immer mehr, auf dem letzten Teilstück musste eine erhebliche Anzahl Reisender mit Stehplätzen Vorlieb nehmen. Das zeigt, dass diese Fahrt gut ausgelastet war. Pünktlich erreichten wir die Haltestelle, die dem Hessischen Landtag am nächsten liegt.
Von der Ausstiegstelle „Schwalbacher Straße“, einer der Einfallstraßen Wiesbadens, bis zum Sitz des Landtags im anno 1842 fertiggestellten Stadtschloss Wiesbaden sind es nur einige hundert Meter Laufweg. Da bis zum Einlass in den Landtag noch genügend Zeit war, gab es am Schlossplatz-Brunnen vor dem Schloss eine kurze Gelegenheit, Richards Ehefrau Elke ein Ständchen zum Geburtstag zu singen. Die „Abordnung“ des Chors wäre mit je zwei Stimmen sogar als Doppelquartett singfähig gewesen, es wurde aber unisono gesungen. Ein guter Schluck und etwas Gebäck auf das Wohl des Geburtstagskindes wurden kredenzt. Was den Verfasser dieser Zeilen sehr gewundert hat, war die Tatsache, dass die Brunnenschale dieses Brunnens auf dem Schlossplatz, der doch sicher unter Denkmalschutz steht, innen ähnlich wie der Pool der Familie „Neureich“ in Himmelblau angestrichen ist. Wer hat sich denn das ausgedacht? Der „Amtsschimmel“ ist doch weiß. Sachen gibt´s!
Kurz danach umrundeten wir das Stadtschloss bis zum Eingang des Landtags in der Grabenstraße auf der Rückseite und durften nach kurzer Zeit und ersten Formalitäten mit zwei „Guides“ das „Hohe Haus“ betreten. Dort gab es weitere Formalitäten und eine Sicherheits-überprüfung jeder Besuchsperson. Ordnung und Sicherheit müssen sein! Richard hatte uns Teilnehmer gewarnt, Pistolen, Revolver, Säbel und Messer hatten wir deshalb zu Hause gelassen; es gab nichts zu beanstanden. Von dem Landtagsabgeordneten unseres Wahlkreises Limburg-Weilburg I, Christian Wendel (CDU) aus dem Stadtteil Offheim, der unser Gastgeber war, wurden wir in Empfang genommen und freundlich begrüßt. Christian Wendel ist einer der 133 Landtagsabgeordneten; er vertritt unseren Landkreis.
Laufende Plenarsitzungen werden per Video in die Lobby übertragen. In Bezug auf die Qualität und insbesondere auch auf die Wahrnehmbarkeit (Helligkeit des Umfeldes) ist noch viel Luft nach oben, um eine zufriedenstellende Lösung zu erreichen. Auch wären einige Sitzgelegen-heiten gegenüber der Projektionsfläche erforderlich, die ein Anschauen der Übertragung ermöglichen würden. Diese Dinge sollte man verbessern. In einem Nebenraum wurden wir in einem bildbegleiteten Vortrag über die Grundzüge der Zusammensetzung, der Funktion und der Arbeit des Landtags vertraut gemacht. Dabei konnten auch Fragen gestellt werden. Nach dieser Auffrischung unserer mehr oder weniger noch vorhandenen Grundkenntnisse aus dem Fach Sozialkunde aus der Schulzeit wurde unsere Gruppe auf die Besucherempore begleitet, wo wir an einer „Ersten Lesung“ für eine Gesetzesänderung teilnehmen konnten, die gehörlose Mitbürger betraf. Bei der anschließenden „Zweiten Lesung“ ging es um eine Änderung des Hessischen Waldgesetzes. Im Gesetzgebungsverfahren sind jeweils zwei oder drei „Lesungen“ vorgesehen, in denen die Gesetzesinhalte vom Plenum des Landtags behandelt werden. Zu Beginn einer Legislatur werden die nötigen Fachausschüsse gebildet, in denen die Vor- und Hauptarbeit für die Gesetzesvorlagen geleistet wird.
Nach etwa einer guten Stunde unserer Anwesenheit verließen wir die Besuchertribüne des Parlaments „auf leisen Sohlen“, und es folgte dann eine etwa einstündige Gelegenheit, mit dem Abgeordneten Christian Wendel ins Gespräch zu kommen. Er stellte seine Vita vor und sprach über seine Tätigkeit und seinen Alltag. Dreizehn Ausschüsse und drei Unterausschüsse bilden die Fachgruppen des Parlaments, in denen Fachleute wirken und die Entscheidungen des Parlaments vorbereiten. In zweien von dreizehn Ausschüssen ist Herr Wendel Mitglied, im (sehr wichtigen) Haushaltsausschuss, dem u. a. auch die heimische FDP-Abgeordnete Marion Schardt-Sauer angehört, und im Kultuspolitischen Ausschuss, der sich u. a. mit Kirche, Kultur, Bildung und Ausbildung befasst. Vom angebotenen „Fragerecht“ wurde rege Gebrauch gemacht, zumal der 46-jährige Abgeordnete auch Mitglied des Kreistages Limburg-Weilburg ist und Land und Leute gut kennt. Besonders interessierte man sich über die Zuweisung der Redezeiten an die einzelnen Fraktionen und auch an fraktionslose Abgeordnete. Besonders aufgefallen ist dem Verfasser, dass es einigen Abgeordneten einer bestimmten Fraktion offensichtlich an Anstand und Respekt mangelt, weil sie sich, wie man sehen konnte, demonstrativ vom Rednerpult wegdrehten, sich unterhielten und öfters Zwischenrufe hören ließen. Jungen Besuchern im Teenageralter gäben sie sicher ein schlechtes Vorbild. Benehmen ist nun mal Glücksache.
Nach der Verabschiedung und mit vielen Informationen und um neue Erfahrungen reicher verließ unsere Gruppe nach dem Gespräch den Landtag. Da inzwischen einige Regentropfen fielen, suchte die Gruppe in Café in der Nähe auf und ließ sich u. a. die angebotene köstliche „Schwedische Apfeltorte“ schmecken. Nachdem sich Alle gestärkt hatten, brachen wir trockenen Fußes (und Hauptes) auf, gingen zur Bushaltestelle in der Schwalbacher Straße und erwarteten den Schnellbus der Linie X 72, der auch pünktlich vorfuhr. Obwohl dieser schon sehr gut besetzt war, fanden Alle aus der Gruppe auch auf der Rückfahrt einen Sitzplatz. Planmäßig erreichte die Gruppe der „Eintracht“ die Heimatstadt Limburg. Alle Teilnehmer waren sehr zufrieden und bedankten sich bei Richard für diese Gelegenheit eines Besuchs des Parlaments unseres schönen Hessenlands. Es war ein schöner Tag!