Von jedem Verein lässt sich sagen, dass er sich mit seiner Stadt oder Gemeinde, in der er lebt und wirkt, in irgendeiner Form mehr oder weniger identifiziert. Auch die Protokollbücher der Eintracht geben Zeugnis über das vielseitige Engagement des Vereins am Leben der Stadt. Die Sänger waren immer bereit, wenn städtische Körperschaften, Kirchen, Unternehmen, andere Limburger Vereine oder Bürger mit der Bitte an sie herantraten, einen kulturellen Beitrag zu leisten. Über das Wirken der Eintracht auf diesem Gebiet in den letzten vier Jahrzehnten seien hier einige Beispiele angeführt.

Das begann, um es zeitlich zu umreißen, am 7. August 1948 bei der musikalischen Gestaltung der Einweihungsfeier der im Zweiten Weltkrieg zerstörten und nun wiederaufgebauten alten Lahnbrücke und zeigte sich zuletzt - gemeinsam mit einem Chor aus der Partnerstadt Sainte Foy, Frankreich - beim Limburger Sommertreff im Serenadenhof im Juli 1987. Seit 1948 sang die Eintracht mit anderen Limburger Gesangsgruppen beim Advents- und Weihnachtssingen auf verschiedenen Plätzen in der Altstadt. Ende der sechziger Jahre kam diese Veranstaltung zum Erliegen. Das lag aber nicht an den immer bereiten Gesang­vereinen, sondern an der teilweisen schlechten Resonanz der Bevölkerung. Vielleicht hatte damals der Wohlstand keinen Platz mehr für ein besinnliches Singen vor dem Weihnachtsfest. Dieser Brauch lebte in den letzten Jahren wieder auf mit dem Vortrag von Advents- und Weihnachtsliedern in der Annakirche sowie neuerdings beim Christkindlmarkt.

Schon seit 1952 beteiligt sich der Eintrachtchor an den Gedenkfeiern auf dem Friedhof am Volkstrauertag; ebenso bei früheren öffentlichen Veranstaltungen zum Tag der deutschen Einheit am 17. Juni, bei Kundgebungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes am 1. Mai oder bei der Eröffnung des Oktoberfestes, als Gesangvorträge des Chores noch nicht im Trubel der Stimmung untergingen.

Auch waren die Sänger stets zur Stelle, wenn aus Anlass von Tagungen, Ausstellungen, Messen oder Großveranstaltungen auswärtiger Verbände in Limburg ihr Auf treten erwünscht war: so - um nur einige Beispiele zu nennen - beim Bundeskongress der Dachdecker-Innung, des Sattler-, Tapezierer- und Polsterer­handwerks, der Bäckerinnung, beim Treffen von Verbänden der Spätheimkehrer, der Vertriebenen, der Stalingradkämpfer oder bei Tagungen von heimischen Firmen und Unternehmen.

All diese kulturellen Beiträge weiß die Stadt zu würdigen mit einem Zuschuss an die Gesangvereine. Dank des guten Einvernehmens mit der Stadt und ihren Repräsentanten ernannte die Eintracht die Nachkriegsbürgermeister Josef Schneider, Franz-Josef Ebbert und Joseph Kohlmaier zu Ehrenmitgliedern. Bei einigen Sängerfahrten ins In- und Ausland ließ es sich Bürgermeister Kohlmaier nicht nehmen, dabei zu sein, konnte er doch mit den Sängern der Eintracht ein Stück Limburg präsentieren.

Das Engagement in gemeinnütziger und sozialer Weise, das bei der Eintracht schon seit ihrer Gründung seinen hervorgehobenen Platz hatte, zeigt sich bis in die Neuzeit. 1956 beschloss der Limburger Werbering, den Bau eines neuen Freibades zu einem echten Bürgeranliegen zu machen - er bat die Bürgerschaft um eine Mitfinanzierung. Über die Gründungsversammlung und die erste Spende schrieb die Limburger Neue Presse: ,,Den Plänen folgten sogleich Taten: Friedel Kloos übergab dem Vorstand des Werberings die erste Sammelspende für das Schwimmbad. Sie betrug 22,47 Mark und kam vom MGV Eintracht, der während eines Tanzabends im großen Saal des St. Georgshofes um den ,Schwimmbadgroschen' gebeten hatte."

Als im Februar 1952 die Niederlande von einer verheerenden Sturmflutkatastrophe heimgesucht wurden, konnten aus der Vereinskasse und aus einer spontanen Sammlung während einer Fastnachtsveranstaltung 200 Mark zur Notlinderung übersandt werden. Dem Bund deutscher Kriegsgräberfürsorge wurde seit 1954 jährlich eine Geldspende überwiesen; ab 1961 ist die Eintracht Mitglied dieses Verbandes. Auch die beschützende Werkstatt (heute Verein Lebenshilfe Limburg) unterstützte der Verein mit Spenden und beteiligte sich ebenso an einer Wohltätigkeitsveranstaltung zu Gunsten der Aktion Leberecht. Alte und kranke Menschen unserer Stadt erfreute der Männer- und der Kinderchor in Altenheimen und im Krankenhaus des Öfteren mit Gesangvorträgen und wirkte auch bei Gottesdiensten am Heiligen Abend in der Justizvollzugsanstalt in Diez mit.

Dies soll keine Auflistung guter Werke sein, sondern vielmehr einmal den nicht vereinsgebundenen Bürgern zeigen, dass das Leben mit und in einem Verein mehr ist als nur der Mitgliedsbeitrag.

Hier und da ist von außen der Vorwurf zu hören, die Eintracht beteilige sich zu wenig an Sängerfesten unmittelbarer Nachbarvereine. Sicher mag es Vereine geben, die diesem Anliegen mehr gerecht werden. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass die Eintracht sich nach dem Zweiten Weltkrieg jährlich an jedem Kreis- oder Gruppensingen beteiligte. Darüber hinaus hat der Chor in den letzten vierzig Jahren an 83 Sängerfesten der Nachbarregion teilgenommen. Aber die zuvor geschilderten Verpflichtungen eines Stadtvereins fallen nun einmal stärker an als bei einem Gesangverein „auf dem Lande“. Das gilt nicht nur für die Eintracht, denn die anderen Limburger Chöre sind gleichermaßen bei öffentlichen Veranstaltungen gefordert.

Besondere Beziehungen der Eintracht zu anderen Chören bestanden und bestehen, wenn sie vom gleichen Dirigenten geleitet werden. Das waren unter Heinrich Hannappel Teutonia Villmar, Harmonie Staffel, Germania Elz, Liederkranz Dietkirchen oder heute unter Theodor Lebeda die Limburger Madrigalvereinigung, der Kirchenchor St. Marien, Fidelio Eschhofen, Liederkranz Dietkirchen sowie die Limburger Orchestervereinigung. An Festen der benachbarten Germania Freiendiez wurde fast immer teilgenommen. Maßgeblichen Anteil an diesem freundschaftlichen Verhältnis hatte Heinrich Heidersdorf, der in beiden Vereinen aktiver Sänger war.

Mit den übrigen Limburger Vereinen hat sich die Eintracht immer gut verstanden. Oft wurden deren Jubiläumsveranstaltungen durch gesangliche Mitwirkung verschönert. Engere Beziehungen bestehen naturgemäß zu solchen Vereinen, mit denen einige Sänger eine Doppelmitgliedschaft verbindet. Zum Limburger Männergesangverein und Limburger Männerchor besteht ein ungetrübtes Verhältnis. Das von früher gekannte und heute vielleicht noch an manchen Orten übliche Konkurrenzdenken untereinander gehört hier längst der Vergangenheit an.

Für das neunzigjährige Sängerfest der Eintracht 1953 wurde ein großes Trageschild angefertigt, welches von Präsident Adam Hamm kunstvoll gestaltet war. Es zeigte den Limburger Dom und trug die Aufschrift „MGV Eintracht Limburg an der Lahn". Dieser Blickfang wurde über viele Jahre hinaus zu jeder Gelegenheit im In- und Ausland bei Umzügen dem Verein vorangetragen und übte sicher eine werbende Wirkung auch für Limburg aus. Aber mit oder ohne ein solches Symbol kann festgehalten werden: die Eintracht bemüht sich immer und überall, selbst ein gutes „Aushängeschild" für ihre Heimatstadt Limburg zu sein!